Wie El País berichtet, versuchen Überlebende des Zusammenstoßes zweier Züge bei Urda in der Provinz Toledo, die Ereignisse der vergangenen Stunden zu ordnen. Nach Angaben der Zeitung sind bei dem Unglück mindestens 68 Menschen gestorben, mehr als 100 wurden verletzt.
Jorge G., 53 Jahre alt und Kolumbianer, saß im siebten Wagen des Iryo. Der Zug stand bereits, als das Bordpersonal Getränke und Snacks anbot. Dann folgte der Aufprall, an den er sich als gewaltigen Knall erinnert. Einige Passagiere schlugen gegen die Sitze, mehrere Gegenstände fielen zu Boden. Er sah Rauch durchs Fenster, stand auf und fand die Tür offen. Er verließ den Wagen und half anderen beim Aussteigen. Danach gingen die Menschen durch einen Graben, bis Anwohner einen Zaun aufbrachen, damit sie passieren konnten.
Juliana R., 33 Jahre alt, saß im zweiten Wagen des AVE auf dem Weg nach Sevilla. Dort sollte sie eine Präsentation halten und ging den Vortrag noch einmal durch. Um sie herum schliefen einige Passagiere, andere arbeiteten. Der Stoß habe alle gezwungen, sich an den Sitzen festzuhalten, berichtet sie.
Inés P. befand sich im Zug davor, dem Iryo. Kurz vor dem Unfall hatte sie den Platz gewechselt, um mit zwei Freundinnen zusammenzusitzen. Trotzdem sei sie noch sehr verängstigt.
Iñaki G., 60 Jahre alt, war im zweiten Wagen des Iryo unterwegs. Er rollte über den Boden und spürte, wie alles für einen Moment still wurde. Als er die Augen öffnete, lag er auf dem Bauch. Ihm sei keine Zeit für einen Gedanken geblieben, sagte er, er habe sich nur festhalten wollen.
Alberto P. und Juan Antonio V. saßen im hinteren Teil des AVE. Ihre Schilderung ähnelt der anderer Überlebender: Der Zug hielt, über Lautsprecher kam die Ansage, dass man einige Minuten stehen werde. Dann rollte der Zug wieder an, und nach wenigen Sekunden folgten Kollision, Lärm, Schreie und Verletzte.
Andrea M., 31 Jahre alt, reiste beruflich nach Sevilla. Sie trank Kaffee und ging Unterlagen für eine Besprechung durch. Heute erinnert sie sich nur an Bruchstücke und kann die Abfolge kaum rekonstruieren. Sie habe alles gesehen, sagte sie, und stehe noch unter Schock.
Mauro, 28 Jahre alt, fuhr im Iryo mit seinem Chef. Nach seinen Angaben stand der Zug zehn bis 15 Minuten, bevor der Aufprall kam und sich der Zug zu drehen begann. Sein Gesicht war stark geschwollen und blutverschmiert.
Die Überlebenden wurden in einen Sporthalle in Urda gebracht, etwa acht Kilometer vom Unfallort entfernt. Dort wurden die Reisenden zunächst mit Namen, Ausweisnummer, Zug und Wagen erfasst. Danach prüfte man ihren psychischen Zustand und ihre Verletzungen. Óscar Jiménez von den Rettungsdiensten erklärte, es werde eine Triage vorgenommen, je nach Schwere der Lage würden die Menschen unterschiedlich geleitet. Insgesamt seien 70 bis 80 Einsatzkräfte verschiedener Gruppen aus Castilla-La Mancha im Einsatz gewesen.
Juan Q., 65 Jahre alt, reiste im sechsten Wagen des AVE und hatte Kopfverletzungen. Er wartete sitzend darauf, dass seine Angehörigen ihn abholten. Er sei noch benommen und sagte, das Leben vergehe in einer Sekunde, ohne dass man es merke.
Rosa María D., eine Anwohnerin, erfuhr um neun Uhr vom Unglück, als sie ein Gesundheitszentrum aufsuchen wollte und es leer vorfand. Sie holte Verbandsmaterial, Infusionsbeutel und weitere Sanitätsmaterialien aus ihrem Haus, nachdem sie gehört hatte, dass Medikamente fehlten. Nachbarn brachten Wasser, Decken und Essen. Sie beschrieb die Lage als beeindruckend, eine Art Horrorfilm. Auch eine Frau aus Sevilla, die im siebten Monat schwanger war, wurde von ihr versorgt. Sie hatte nur leichte Prellungen.
Algerdings reisten nicht alle Überlebenden auf dem gleichen Weg weiter. Einige fuhren mit Angehörigen, andere mit Bussen zurück nach Madrid. Ein Teil der Reisenden wurde zum Krankenhaus Gregorio Marañón gebracht, der andere zum Bahnhof Atocha.
El País zufolge folgt die Organisation demselben Protokoll wie beim Zugunglück in Adamuz im Januar. Damals war die Rückkehr der Überlebenden wegen der späten Stunde chaotischer verlaufen. Diesmal habe alles reibungslos funktioniert. Zwei Busse brachten Passagiere anderer Züge, zwei weitere Reisende aus den betroffenen Zügen mit leichten Verletzungen oder unverletzt.
Angehörige warteten am Bahnhof, ohne zu wissen, ob ihr Bruder, ihre Tochter oder ihr Freund in einem der Busse saß. Ein Mann suchte nach seiner Kollegin Almudena und sagte immer wieder, er wisse nichts. Auf dem Gelände in Urda riefen Krankenpfleger Namen von Personen auf, deren Familien sie nicht finden konnten.
Kommentare (0)