Die Bank of England hat den Leitzins von 3,75 auf vier Prozent angehoben. Wie POLITICO berichtete, fiel die Entscheidung im neunköpfigen geldpolitischen Ausschuss mit überwältigender Mehrheit. Es ist die erste Zinserhöhung seit August 2023. Sie soll den steigenden Preisen entgegenwirken, die der Krieg im Iran ausgelöst hat.
Anders als die US-Notenbank Federal Reserve und die Europäische Zentralbank hatte die Bank of England lange gezögert, die Zinsen zu erhöhen, aus Sorge, die britische Wirtschaft zu bremsen. Gouverneur Andrew Bailey und weitere Mitglieder des Ausschusses hatten bisher abgewartet, ob sich höhere Energiepreise breiter auf andere Preise auswirken. Die Erhöhung wurde nun notwendig, nachdem die Inflation im September auf 3,5 Prozent gestiegen war und die Wirtschaft stärker gewachsen war als erwartet. Dadurch wachse das Risiko, dass die Preise außer Kontrolle geraten.
Der Ausschuss stimmte am Mittwoch mit acht zu eins Stimmen für die Erhöhung. Der Schock auf den Energiemärkten seit Kriegsbeginn habe ausreichend Inflationsdruck aufgebaut, um eine Erhöhung zu rechtfertigen, so die Begründung. Catherine Mann stimmte für eine größere Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte.
Bailey sagte, die heutige Erhöhung dürfe nicht als erster Schritt einer unvermeidlichen langen Reihe von Zinserhöhungen verstanden werden. Solange der Konflikt im Nahen Osten nicht gelöst sei, sei es aber auch nicht wahrscheinlich, dass es die letzte Erhöhung sei. Nach Darstellung von POLITICO hängt die Zukunft der britischen Wirtschaft davon ab, was die USA im Iran tun.
Die Bank rechnet damit, dass die Inflation bis zum zweiten Quartal 2027 auf nahe fünf Prozent steigt, höher als in ihrer bisherigen Prognose. Im ungünstigen Szenario, in dem die Preise länger hoch bleiben und der Konflikt im Nahen Osten weiter aufflammt, könnte die Inflation im dritten Quartal 2027 6,2 Prozent erreichen. Die Bank erwartet außerdem stärkere Auswirkungen auf Löhne und andere Preise.
Die Entscheidung kommt eine Woche nach dem ersten Haushalt von Schatzkanzler John Healey. Dieser Haushalt wurde unter dem Eindruck verfasst, dass Briten die höchsten Energiepreise seit drei Jahren zahlen. Die Zinserhöhung belastet nach Darstellung des Berichts Haushalte und Unternehmen weiter, die bereits unter höheren Energierechnungen und Hypothekenzinsen leiden. Anhaltende Inflation würde dieses Versprechen zugleich untergraben.
Die Notenbankspitze wies allerdings Markterwartungen zurück, wonach die Zinsen 2027 auf 4,75 oder fünf Prozent steigen könnten.
Die Entscheidung fällt nach der Niederlage der Republikaner von US-Präsident Donald Trump bei den Zwischenwahlen am Dienstag. Diese Niederlage habe die Aussicht auf einen Friedensschluss im Nahen Osten erhöht. Ein Tauwetter könnte die Treibstoffpreise senken, weil der Druck auf die Ölversorgung nachlässt. Es gab Berichte, Trump könne mit einer Bombenkampagne reagieren. Der Präsident habe am Mittwoch jedoch eingeräumt, dass höhere Benzinpreise seine Popularität belasteten, und einen versöhnlicheren Ton zu möglichen Friedensverhandlungen angeschlagen. Vizepräsident JD Vance habe die Wahlniederlagen dem Krieg im Iran angelastet. Premierminister Burnham sagte am Mittwoch, die Wahlen böten die Gelegenheit, sich auf die Lebenshaltungskosten zu konzentrieren.
Die Möglichkeit einer Waffenruhe hänge jedoch noch von Trumps Entscheidungen ab. Unabhängig davon müssen britische Verbraucher im Januar mit einem Anstieg der Energiepreisobergrenze rechnen. Auch bei weiter sinkenden Ölpreisen dürfte die Obergrenze wegen einer zeitlichen Verzögerung bei ihrer Berechnung deutlich steigen. Die Bank prognostiziert, dass sie im ersten Quartal 2027 auf 2.150 Pfund steigt. Die bisher verhaltenen Lebensmittelpreise könnten bis Mitte 2027 4,75 Prozent erreichen, da Unternehmen höhere Kosten weitergeben.
Healeys Haushalt drückt die Inflation nach Angaben der Bank bis zum zweiten Quartal 2027 um 0,25 Prozentpunkte. Zugleich dürfte die straffere Fiskalpolitik, mit der das Defizit gesenkt werden soll, das Wachstum mittelfristig dämpfen.
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