In Hamburg hat der Prozess gegen den ukrainischen Staatsbürger Serhij Kusnetzow wegen des Anschlags auf die Nord-Stream-Pipelines begonnen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem früheren Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Armee vor, die Sabotageaktion geplant und überwacht zu haben, berichtete t-online.
Zu der Gruppe sollen ein Schiffsführer, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher gehört haben. Bei Tauchgängen sollen sie vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Leitungen befestigt haben.
Am 26. September 2022 detonierten in etwa 80 Metern Tiefe vor der dänischen Insel Bornholm mehrere Sprengsätze. Nord Stream 1 hatte Russland bereits gut drei Wochen zuvor den Gasfluss nach Deutschland abgedreht. Nord Stream 2 war nicht in Betrieb gegangen.
Die Bundesanwaltschaft beschuldigt Kusnetzow unter anderem eines Kriegsverbrechens durch den Einsatz verbotener Methoden der Kriegsführung gegen zivile Objekte.
Kusnetzows Verteidiger Jes Meyer-Lohkamp wies die Vorwürfe zurück. Eine führende Rolle seines Mandanten sei durch nichts belegt. Drei Monate später wurde er nach Deutschland überstellt. Seit dem 28. November sitzt er in Untersuchungshaft.
Sein italienischer Anwalt Nicola Canestrini kritisierte die Auslieferung. Italien habe Kusnetzow wegen Sabotage übergeben, während Deutschland ihn nun wegen eines Kriegsverbrechens anklage. Nord Stream sei als russisches Druckmittel gegen die Europäische Union und Deutschland ein legitimes Ziel gewesen, sagte Canestrini.
Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten rund 20 Ukrainer für den Angeklagten. Im Saal zeigten Sympathisanten den ukrainischen Dreizack-Gruß.
Der Staatsschutzsenat hat bis Ende Januar 24 Verhandlungstermine festgelegt. Weitere Termine sollen im Februar 2027 folgen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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