Mit den Einnahmen solle der Umbau des Arbeitsmarkts finanziert werden, sagte Wildberger dem Tagesspiegel. Wenn in Deutschland Wachstum und Wertschöpfung entstünden, müssten dort auch Steuern gezahlt werden.
Hintergrund der Überlegung ist die mögliche Veränderung der Arbeitswelt durch Algorithmen. Gates warnt vor massiven Jobverlusten. Wildberger rechnet ebenfalls mit einem grundlegenden Wandel, erwartet langfristig aber mehr Beschäftigung in anderen Berufen.
Vorerst will Wildberger eine solche Steuer jedoch nicht umsetzen. Im Gespräch mit RTL/ntv erklärte er, der aktuelle Schwerpunkt müsse auf Innovation und Wachstum liegen. Über den passenden regulatorischen Rahmen solle später beraten werden. Die Möglichkeit einer späteren Abgabe bleibt damit bestehen.
Ifo-Chef Clemens Fuest hält eine KI-Steuer derzeit für nicht sinnvoll. Falls künstliche Intelligenz tatsächlich zu sinkenden Löhnen und deutlich steigenden Unternehmensgewinnen führe, wäre nach seiner Einschätzung eine höhere allgemeine Unternehmensgewinnsteuer die naheliegendere Antwort als eine Sonderabgabe auf die Technologie.
Rasmus Rothe, Vorstandsvorsitzender des KI Bundesverbands, sieht die Hauptursache der Finanzierungsprobleme der Sozialversicherung in der demografischen Entwicklung. Über eine faire Beteiligung an zusätzlicher Wertschöpfung müsse gesprochen werden, ohne die Technologie selbst zu verteuern.
Auch der Arbeitsmarktexperte Enzo Weber erwartet keinen Einbruch der Beschäftigung, sondern einen Umbruch. KI werde branchenübergreifend eingesetzt. Eine Steuer wäre aus seiner Sicht nur dann sinnvoll, wenn der Einsatz gezielt belastet und zurückgedrängt werden solle. Stattdessen müssten menschliche Kompetenzen gefördert werden. Beschäftigte sollten nicht aus dem Arbeitsprozess gedrängt und lediglich finanziell abgesichert werden, sondern im Zentrum der Wertschöpfung bleiben.
Die Experten warnen zudem vor Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Eine KI-Steuer könne Innovationen bremsen und die Wettbewerbsfähigkeit schwächen. Nach Einschätzung Rothes hat Deutschland bereits bei Energiekosten, Bürokratie und Unternehmensbesteuerung Standortnachteile. Eine weitere Abgabe könne Investitionen und Talente ins Ausland lenken.
Besonders stark würde eine solche Steuer laut Rothe den Mittelstand treffen, der gerade erst mit dem produktiven Einsatz von KI beginne. Unternehmen müssten mit hohem Verwaltungsaufwand rechnen. Außerdem lasse sich die durch KI entstehende Wertschöpfung und damit die Steuerlast nicht zuverlässig bestimmen. Rothe plädiert stattdessen für Anreize wie einen KI-Voucher, der kleinen und mittleren Unternehmen den Einstieg finanziere und zugleich innovative KI-Anbieter unterstütze.
Fuest fordert, Europa müsse die Verbreitung von KI aktiv fördern und eigene Kapazitäten aufbauen. Dazu gehörten vor allem heimische Hochleistungs-Rechenzentren, um die Abhängigkeit von den USA zu verringern.
Kommentare (0)