Im Krankenhaus Beit Jala im besetzten Westjordanland fehlen Medikamente für Krebspatienten, wie der Sender Al Jazeera berichtete. Der Leiter der onkologischen Tagesstation, Khaldoun A., muss jeden Morgen damit rechnen, dass Kontrollpunkte seinen Weg versperren. Am Checkpoint Nabi Yunis bei Halhul sei die Durchfahrt häufig gesperrt, weshalb er sein Auto zurücklasse und den Rest der Strecke aus Hebron mit dem Taxi zurücklege. Mehrfach habe er bei der Fahrt Spiegel und Scheibenwischer beschädigt vorgefunden, auf einer Strecke, auf der nun Siedler aktiv seien.
Khaldoun A. versuche, seine Krebspatienten zu betreuen, doch einige hätten Rückschritte gemacht, weil sie wichtige Termine oder Medikamente für ihre Chemotherapie verpasst hätten. Während der Zweiten Intifada habe es nie Probleme mit dem Medikamentennachschub gegeben, sagte er. Heute fehle praktisch alles. Was verfügbar sei, werde ausgegeben. Die Lage sei eine Katastrophe.
Die Finanzen der Palästinensischen Autonomiebehörde sind nach Angaben des Senders in den vergangenen drei Jahren zusammengebrochen. Grund seien geringere internationale Hilfszahlungen und Unterbrechungen bei den Überweisungen israelischer Steuereinnahmen. Auch Israels Maßnahmen im Westjordanland seit dem Oktober 2023, darunter zahlreiche Straßensperren, Checkpoints und Angriffe von Siedlern auf palästinensische Gemeinden, hätten die Wirtschaft belastet. Das Gesundheitswesen verschlechtere sich rasch: Das Personal erhalte nur die Hälfte seines Gehalts, und die Behörde könne unentbehrliche Medikamente nicht bezahlen. Die Zurückhaltung der Gelder gehe auf den israelischen Finanzminister Bezalel Smotrich zurück. InstaNews hatte am 16. Oktober über Angriffe bewaffneter Siedler auf Palästinenser im Westjordanland berichtet.
Der Dialysearzt Iyad D. sagte, es fehle nicht an Personal. Ein Regierungsangestellter arbeite jedoch nur zwei oder drei Tage pro Woche, weil er für volle Arbeitszeiten nicht genug verdiene. Die Ambulanzen des Gesundheitsministeriums seien nur noch teilweise geöffnet, doch wenn sie öffnen, behandelten Ärzte deutlich mehr als 100 Patienten am Tag. Ein Arztbesuch koste inzwischen 200 Schekel, umgerechnet 65 Dollar, wie ein älterer Krebspatient berichtete. Das Krankenhaus könne nur noch Notfälle versorgen. Die Patienten hätten zunächst verärgert reagiert, inzwischen aber verstanden, dass alle litten.
Milena A. von der israelischen Organisation Physicians for Human Rights sagte, die Krise sei sehr vorhersehbar gewesen. Schon vor dem Krieg im Gazastreifen habe Israel regelmäßig Steuereinnahmen zurückgehalten und damit die Kassen des Gesundheitsministeriums belastet. Yosef O., Internist in Beit Jala, erklärte, die fehlenden Einnahmen hätten die Mittel des Ministeriums für Lieferanten aufgezehrt, die ihre Leistungen nun zurückhielten. Hisham A., Onkologe am Krankenhaus, berichtete, Engpässe seien ein altes Problem. Früher seien etwa 90 Prozent der wichtigen Präparate vorhanden gewesen, vor allem für die Chemotherapie. Nun fehlten selbst Immuntherapien und Biologika. Milena A. betonte, Israel blockiere die Einfuhr von Medikamenten ins Westjordanland nicht. Das Problem sei allein, dass die Autonomiebehörde kein Geld habe, sie zu bezahlen. Israel habe als Besatzungsmacht jedoch die vorrangige rechtliche Pflicht, eine ausreichende medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
Khuloud D., die Leiterin der Apotheke des Krankenhauses, sagte, das Ministerium habe kürzlich acht zuvor fehlende Onkologie-Medikamente und vier Biologika beschaffen können. Das reiche für eineinhalb bis zwei Monate. Viele andere Medikamente seien aber weiterhin nicht vorrätig. Das zentrale Versorgungslager des Ministeriums liege in Nablus. Eine Fahrt, die normalerweise eineinhalb Stunden dauere, könne bei Sperrungen sechs bis zehn Stunden in Anspruch nehmen. Ein Dialysepatient aus Nahalin habe um sieben oder acht Uhr morgens einen Termin gehabt. Sein Dorf sei abgeriegelt gewesen, er habe vier, fünf Stunden am Checkpoint gewartet und die Behandlung erst um 16 Uhr erreicht. Eine normale Fahrt koste etwa zehn Schekel, ein solcher Umweg mehr als 100 Schekel.
Auch Operationen verzögern sich. Sayed A., 22 Jahre alt, aus al-Eizariya brach sich vergangenen Monat bei einem Unfall das Sprunggelenk. Er wartete drei Wochen auf einen Operationstermin. Ihm sei gesagt worden, dass 60 Menschen auf einen Eingriff warteten. Einmal habe die Operation nicht stattfinden können, weil keine Medikamente, Schmerzmittel oder Narkosemittel vorhanden gewesen seien. Khuloud D. sagte, die Lage sei für die Patienten und das Personal schwer zu bewältigen. Es gebe keine politische, gesundheitliche oder finanzielle Sicherheit.
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