In Deutschland sind nach offizieller Statistik rund 72.000 Menschen nicht krankenversichert. Die Tendenz steigt, wie die tagesschau berichtet.
In der Stuttgarter Praxis der Malteser für Menschen ohne Krankenversicherung sitzt der Allgemeinmediziner Wolfgang Steigleder, der ehrenamtlich arbeitet. Zu seinen Patienten zählt ein 56-jähriger Georgier mit einem Diabetes, dem zwei Zehen amputiert wurden. Die Wunde sei gut verheilt, sagt der Arzt im Ruhestand. Bei Diabetikern verlaufe die Wundheilung deutlich langsamer, und ohne regelmäßige ärztliche Betreuung drohten gravierende Folgeerkrankungen. Viele Patientinnen und Patienten kämen bereits mit Komplikationen einer Ersterkrankung in die Praxis.
Verständigungsprobleme begegne man mit Übersetzungshilfen, sagt Steigleder.
Die Krankenhauskosten von 4.200 Euro zahlt der heute 60-Jährige noch in kleinen Raten ab. Um in eine Krankenversicherung zu wechseln, müsste er nach eigenen Angaben die Beiträge der letzten zehn Jahre nachzahlen, was er sich nicht leisten könne.
Viele seien mit der Klärung ihrer Versicherungssituation überfordert, bürokratische Hürden erschwerten die Orientierung. Andere, wie der kroatische Patient, seien vollständig aus dem Versicherungsschutz gefallen.
Die Praxis im Stuttgarter Süden platzt nach Angaben der Koordinatorin Regine Martis aus allen Nähten. Man suche deshalb nach geeigneten Beratungsräumen, um die Clearingstelle erweitern zu können. Neben der Behandlung sei es nach ihren Worten wichtig, dass die Patienten einen Platz im Krankenversicherungssystem finden. Martis sagt, die Hälfte der Patienten, vielleicht sogar mehr, lasse sich tatsächlich in eine Krankenversicherung vermitteln.
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