Fast eine halbe Million Dokumente der AfD sind durch einen Hack öffentlich geworden.
Bei öffentlichen Auftritten zeigen sich Alice Weidel und Björn Höcke harmonisch. Weidel hatte im vergangenen Jahr gegenüber der Bild-Zeitung erklärt, sie und Höcke verstünden sich sehr gut. Höcke sei bodenständig und extrem breit gebildet, deshalb schätze sie ihn.
Am 23. Januar 2017 soll von Weidels E-Mail-Account eine interne Nachricht an die AfD-Spitze gegangen sein. Sie betraf die geplante Reaktion auf eine Rede Höckes in Dresden. Das Holocaust-Mahnmal in Berlin bezeichnete er als Denkmal der Schande.
Weidel selbst zeigte sich damals entsetzt. In einem offiziellen Pressestatement nannte sie solche rückwärtsgewandten Debatten überflüssig und kontraproduktiv. Wenig später stimmte sie im Bundesvorstand dafür, ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke einzuleiten.
Laut dem Datensatz hat Weidels Account außerdem Hinweise zur Rhetorik des thüringischen Landeschefs gegeben. Höcke habe Parteimitglieder, die seinem Kurs nicht folgen wollten, als Halbe bezeichnet, ähnlich wie Adolf Hitler es 1932 getan habe. Sollten die E-Mails echt sein, lege die Korrespondenz nahe, dass sie sich damals nicht nur öffentlich kritisch äußerte, sondern womöglich intern an Maßnahmen gegen Höcke beteiligte.
Der Datensatz umfasst nach Angaben des Stern allein 420.000 Nachrichten, dazu rund 45.000 Dokumente sowie Listen und Tabellen. Ein Großteil stammt aus der Gründungszeit der AfD. Seit Anfang dieser Woche können die Daten von einer anonymen Internetseite heruntergeladen werden. Insgesamt handelt es sich um 281 Gigabyte. IT-Experten halten sie für authentisch, und die AfD bestreitet die Herkunft nicht grundsätzlich.
Weidel und Co-Chef Tino Chrupalla bestätigten, dass große Datenmengen abgeflossen seien. Die bislang veröffentlichten vermeintlichen Skandale hielten einer inhaltlichen Überprüfung nicht stand.
Nach Darstellung des Stern ist allerdings manches Skandalöse bereits bekannt. In den 32.639 E-Mails, die vom Account des heutigen Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland stammen sollen, findet sich auch etwas zur sogenannten Hitler-Wallfahrt. Mehrere Thüringer AfD-Mitglieder, darunter ein Schiedsrichter der Landespartei, hatten 2015 das Geburtshaus Hitlers im österreichischen Braunau am Inn besucht.
Darin werden die Vorwürfe gegen die Teilnehmer abgewogen.
Auch 2016 gab es bereits einen Eklat. Ein AfD-Landtagsabgeordneter hatte einen früheren NPD-Politiker als Bundespolitiker eingestellt. Vom Account Weidels soll daraufhin am 16. April 2016 eine Mail verschickt worden sein, in der sie sich fassungslos zeigte, dass diese Mitteilung auf der Bundesseite erschien. Dem Landesverband warf sie vor, Bund und Partei in eine braune Soße hineinzureiten, und zweifelte am gesunden Menschenverstand.
Im Oktober 2017 soll Weidel in einer internen Rund-Mail ein Gerücht zurückgewiesen haben, sie habe dafür gestimmt, das Parteiausschlussverfahren gegen Höcke zu beenden.
Auch im Fall des Nachwuchspolitikers Maximilian Kneller soll Weidel laut den E-Mails eine klare Haltung vertreten haben. Kneller sitzt heute gemeinsam mit Weidel im Bundesvorstand. Weidel forderte laut der Mail an die Parteispitze, ihn sofort zu entfernen. Der Hinweis auf eine bereits erfolgte Entschuldigung reichte ihr offenbar nicht. Derartiges primitivstes Verhalten dürfe man auf keinen Fall tolerieren.
Zuletzt veröffentlichte Kneller ein Foto, das ihn und Weidel auf offener Bühne in Leverkusen zeigt, wie sie sich umarmen.
Man habe aber bereits einige bedenkliche Fälschungen entdeckt.
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