Die ärmsten Volkswirtschaften der Welt erhalten nur einen Bruchteil der Investitionen, die in künstliche Intelligenz, Halbleiter, saubere Energie und kritische Rohstoffe fließen. Davor warnte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Sonntag, wie die Arab News berichtete. Er forderte Regierungen und Investoren auf, diese Kluft zu schließen, die viele Länder des Globalen Südens von der nächsten Wachstumswelle auszuschließen drohe.
In einer Botschaft an das 9. Weltinvestitionsforum, das in Doha eröffnet wurde, erklärte Guterres, diese Sektoren machten zusammen mit weiteren modernen Technologien inzwischen fast die Hälfte aller neuen Greenfield-Investitionen weltweit aus. Diese und andere Branchen dürften Volkswirtschaften und die globale Produktion umgestalten und bieten erhebliche Chancen für nachhaltige Entwicklung. Doch nur ein Bruchteil dieser Investitionen erreiche die am wenigsten entwickelten Länder und die Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen.
Angesichts der global steigenden Nachfrage nach Kapital sieht der UN-Chef in dem Treffen eine Gelegenheit für Regierungen, Investoren, Unternehmen und Entwicklungspartner. Sie sollten Partnerschaften aufbauen, um die Investitionslücke in den entscheidenden Sektoren zu überbrücken. Der Privatsektor solle vor allem in erneuerbare Energien, Technologie und kritische Rohstoffe in Entwicklungsländern mehr investieren. Dabei müsse Wert geschaffen werden, der den begünstigten Gemeinschaften breit zugutekomme.
Guterres appellierte zudem, sich hinter die Sevilla-Verpflichtung zu stellen. Diese Vereinbarung war das Ergebnis der UN-Konferenz über Finanzierung für Entwicklung im vergangenen Jahr in Spanien. Sie sieht vor, die globalen Investitionen zu steigern und Entwicklungsfinanzierung in einem massiven Umfang zu mobilisieren. Investitionen seien, so Guterres, Ausdruck des Vertrauens, dass das Morgen besser sein könne als das Heute. Er hoffe, das Forum werde den Ehrgeiz, die Solidarität und die Partnerschaften hervorbringen, die nötig seien, um diesen Moment technologischer Möglichkeiten in eine Ära des Wohlstands für alle zu verwandeln.
Das Forum wird von der UN-Organisation für Handel und Entwicklung gemeinsam mit Katar veranstaltet und läuft vom 25. bis 27. Oktober. Erwartet werden Delegationen aus mehr als 100 Ländern sowie mehr als 20 Minister und Leiter internationaler Organisationen.
Dem Forum vorausgegangen ist der Weltinvestitionsbericht 2026 der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung. Demnach stiegen die globalen ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2025 um 6 Prozent auf 1,6 Billionen Dollar und beendeten damit zwei Jahre des Rückgangs. Ungleich verteilt blieb der Zuwachs jedoch: Die Investitionen in entwickelten Volkswirtschaften stiegen um 11 Prozent, in Entwicklungsländern nur um 2 Prozent. Die 20 größten Empfängerländer vereinten mehr als 80 Prozent der globalen Zuflüsse auf sich.
Die Zuflüsse in die am wenigsten entwickelten Länder kletterten um 21 Prozent auf 43 Milliarden Dollar. Ihr Anteil am globalen Gesamtvolumen blieb dennoch klein.
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