Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer gewachsen, und zwar stärker, als es viele Volkswirte erwartet hatten. Volkswirte hatten überwiegend eine Stagnation vorausgesagt, allenfalls ein Plus von 0,1 Prozent.
Niedrigwasser am Rhein bremste die Binnenschifffahrt und setzte Branchen wie der Chemie und der Stahlindustrie zu. Ein Rückgang, den viele befürchtet hatten, blieb jedoch aus.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts stiegen die Konsumausgaben gegenüber dem Vorquartal leicht an. Die Investitionen dagegen sind den vorläufigen Erkenntnissen zufolge zurückgegangen. Die Exporte, die in der ersten Jahreshälfte noch sehr dynamisch gewesen seien, schwächten sich im dritten Quartal merklich ab.
Weil die privaten Investitionen weiterhin verhalten seien, sprächen die meisten Ökonomen jedoch noch nicht von einem nachhaltigen, sich selbst tragenden Aufschwung.
Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Bethmann HAL, sagte, das nächste Plus der Wirtschaft sei vor allem dem schuldenfinanzierten Fiskalpaket zu verdanken. Ohne diesen künstlich ausgelösten Impuls hätte die Wirtschaftsleistung wohl stagniert.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin rechnet nach Einschätzung seiner Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik zum Jahresende mit einem spürbaren Anstieg. Ein breiter Aufschwung sei jedoch noch ein gutes Stück entfernt, sagte Dany-Knedlik.
Der Anstieg werde vor allem von der Industrie getragen. Die privaten Haushalte hielten sich dagegen angesichts hoher Preise und eines schwachen Arbeitsmarkts weiter zurück.
Auch die Stimmung in der Wirtschaft hat sich verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts, der als wichtigstes Barometer für die deutsche Konjunktur gilt, ist zuletzt zum sechsten Mal in Folge gestiegen. ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe sagte im Gespräch mit Reuters, die Wirtschaft arbeite sich Schritt für Schritt aus dem Tal. Die anhaltend hohe Inflation infolge gestiegener Energiepreise dämpfe nach wie vor die Kauflust der Verbraucher.
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