Um die landesweiten Proteste zu beantworten, will die Minderheitsregierung in Paris nach Angaben der Deutschen Welle vier Milliarden Euro in den Bildungsbereich lenken. Die Summe soll über Kredite mit vergünstigtem Zinssatz bis 2030 für die Sanierung von Schulen bereitstehen, die Universitäten sollen bis 2029 zusätzlich eine Milliarde Euro erhalten. Das hoch verschuldete Land hat für solche Ausgaben kaum finanzielle Spielräume, und die Regierung hat keine Mehrheit im Parlament.
Frankreichs Schuldenquote liegt bei rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Berlin hat die Bestnote AAA und einen durchweg stabilen Ausblick.
Deshalb muss Paris höhere Zinsen zahlen als Berlin. Bei zehnjährigen Anleihen zahlt Frankreich knapp 1,6 Prozentpunkte mehr Zinsen als Deutschland. Seit Juni 2026 hat sich der Spread mehr als verdoppelt. Einen ähnlich hohen Aufschlag gab es zuletzt Ende 2011 während der Euro-Schuldenkrise.
Steigt er zu stark, geraten die Finanzierungsbedingungen in Frankreich unter Druck, wer dort einen Kredit braucht, zahlt mehr, und die Banken könnten in Schwierigkeiten geraten. Daraus könne eine Finanzkrise werden, sagte Heinemann dem Sender. Sie würde auch dem Letzten zeigen, dass es so nicht weitergehe, es sei denn, man nehme einen wirtschaftlichen Kollaps in Kauf.
Die Mehrheit habe deshalb ein handfestes Interesse am Status quo.
Einen ausgeglichenen Staatshaushalt gab es zuletzt 1974. Die Zinskosten steigen mit jedem Jahr.
Zugleich muss Frankreich viele alte Anleihen refinanzieren, die zu historischen Niedrigzinsen ausgegeben wurden. Das hohe Haushaltsdefizit erfordert außerdem zusätzliche Schulden. Bislang findet der Entwurf jedoch keine Mehrheit im Parlament.
Der Rassemblement National und La France insoumise werben mit kostspieligen Versprechen. Marine Le Pen will den Renteneintritt mit 62 Jahren wieder einführen und stellt dafür Einsparungen von 140 Milliarden Euro in Aussicht. Jean-Luc Mélenchon, der Gründer der LFI, schlägt vor, von der französischen Zentralbank gehaltene Staatsanleihen zu vernichten. Niemand werde jemals bemerken, dass sie verschwunden seien, behauptet er. Heinemann nennt das ein Beispiel dafür, dass radikale Parteien am rechten und linken Rand ökonomische Märchen erzählen. Ihr gemeinsamer Nenner sei die Annahme, es gebe einen Weg aus der Misere ohne Konsolidierung und Einschnitte.
Auch Deutschland ist von steigenden Zinskosten betroffen.
Früher hätten Abwertungen des Franc wirtschaftliche Ungleichgewichte unmittelbar spürbar gemacht, durch Kaufkraftverluste und steigende Preise. Heute fehle dieses Warnsignal. So sei die Illusion entstanden, notwendige Korrekturen ließen sich dauerhaft aufschieben.
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