Wie die tagesschau berichtet, gilt das ab sofort auf der Tochter-Plattform 360X. Doch noch fehlen die Partner, denn Privatpersonen können derzeit noch nicht darüber handeln.
Erst dann wird sie im laufenden Börsengeschehen mit den dann geltenden Preisen ausgeführt. Über 360X sollen echte Papiere der 40 wertvollsten deutschen börsennotierten Unternehmen auch nachts oder an Wochenenden gekauft werden können, etwa von SAP, Siemens oder Airbus. Die Papiere sind nicht als digitales Finanzinstrument verwahrt, sogenannte tokenisierte Papiere sind davon ausgenommen. Privatpersonen brauchen dafür weiterhin einen Broker, etwa die Hausbank, bei der das eigene Depot liegt.
360X ist eine separate Plattform und vom Handel über XETRA losgelöst. Sie wird von der Bafin überwacht und reguliert.
Die Preisbildung funktioniert anders. Tagsüber entsteht der Preis über Angebot und Nachfrage im Orderbuch. Auf 360X läuft es über ein sogenanntes Request for Quote. Stanzl nennt als Beispiel einen Käufer, der um drei Uhr nachts dringend eine Rheinmetall-Aktie kaufen will, etwa weil ein Krieg ausgebrochen ist. Dieser Käufer schickt ein Kaufangebot heraus und wartet auf Gegenangebote. Er kann eines annehmen oder ablehnen. Kommt keine Einigung zustande, wird kein Geschäft abgeschlossen.
Damit fehlt ein stets aktueller Referenzwert. Der tatsächliche Preis kann sich nachts deutlich davon unterscheiden.
Der erweiterte Handel soll vor allem eine schnelle Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse ermöglichen. Stanzl hält ihn vor allem für Anleger interessant, die unbedingt eine ungewöhnliche Position eingehen oder auflösen wollen. Ein großes Volumen erwartet er nachts nicht.
Auch für die Deutsche Börse ist das Angebot von Interesse. Im Kryptobereich ist ein Rund-um-die-Uhr-Handel bereits üblich, und diese Anleger zeigen zunehmend Interesse an konventionellen Papieren.
Dieses Risiko wolle er weitergeben. Nachts finden sich außerdem deutlich weniger Käufer und Verkäufer als tagsüber auf XETRA. Wer in den frühen Morgenstunden eine Aktie verkaufen möchte, bekommt dafür möglicherweise weniger Geld.
Ein Sprecher der Deutschen Börse sagte auf Anfrage, 360X sei mit verschiedenen Brokern im Gespräch. Er rechne damit, dass sich diese Gespräche zeitnah konkretisieren. Die Deutsche Börse habe ihre Bereitschaft signalisiert, nun seien die Banken und Broker gefragt.
Angeboten werden zunächst die DAX-40-Werte, weil sie die gefragtesten Papiere an der Deutschen Börse sind. Der Sprecher sagte, man wolle beobachten, wie das Angebot angenommen wird. Einer Ausweitung stehe man aufgeschlossen gegenüber. Über 360X sind bereits jetzt andere Werte handelbar, etwa tokenisierte Papiere von US-Unternehmen wie Nvidia und Tesla.
Das Ende des Tageshandels ist nach Einschätzung des Sprechers unwahrscheinlich. XETRA sei der Leuchtturm, an dem sich andere Handelsplätze orientierten.
Kommentare (0)