Die australische Kleinstadt Wangaratta im Bundesstaat Victoria steht nach einem Angriff auf ihre Abgeordnete unter Schock. Wie die BBC berichtete, wurde die unabhängige Bundesabgeordnete Helen Haines am Montagnachmittag unmittelbar vor ihrem Büro von einem Auto erfasst. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um einen gezielten und vorsätzlichen Angriff.
Ihr Ehemann Phil Haines sagte, Herz und Verstand seiner Frau seien in gutem Zustand.
Generalgouverneurin Sam Mostyn, die König Charles vertritt, sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz, die Menschen seien fassungslos und könnten das Ausmaß dieser Tragödie kaum begreifen. Die Abgeordnete gilt Einheimischen zufolge nicht als umstrittene Person. Niemand könne nachvollziehen, warum sie offenbar zum Ziel geworden sei.
Ein Mann aus der Gegend, dessen Vater seit Jahrzehnten gut mit Haines befreundet ist, muss sich nach Polizeiangaben wegen mindestens dreier Anklagepunkte verantworten, darunter vorsätzliche Körperverletzung. Er erschien am Mittwoch vor Gericht. Die Polizei prüft weitere Anklagen, unter anderem wegen versuchten Mordes. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Haines wurde 2019 erstmals ins Parlament gewählt. Bekannt ist sie vor allem für ihren jahrelangen Einsatz für eine nationale Antikorruptionskommission. Angetrieben habe sie eine Reihe großer politischer Skandale, in denen nach ihrer Darstellung öffentliche Gelder für politischen Gewinn ausgegeben worden seien. Außerdem kritisierte sie überproportionale Ausgaben für glänzende Infrastrukturprojekte in umkämpften Wahlkreisen sowie Entscheidungen, die großen Spendern statt einfachen Bürgern nützten. Die Kommission nahm 2023 unter der Labor-Regierung von Anthony Albanese ihre Arbeit auf.
Haines hat sich außerdem für Mittel zum Wohnungsbau, für Verbesserungen im Bahnverkehr und für die Gesundheitsinfrastruktur ihrer Region eingesetzt. Ihrer Ansicht nach wurde die Region lange gegenüber den Großstädten benachteiligt. Die frühere Krankenpflegerin und Hebamme gilt in Wangaratta als engagiert. Bürgermeisterin Irene Grant beschrieb sie als warmherzig, fröhlich und engagiert und verwies auf ihren Einsatz für Klimaschutz und die Rechte der Indigenen. Der Polizeikommissar von Victoria, Mike Bush, lobte, Haines habe die örtliche Polizei nach dem Tod zweier Beamter im vergangenen Jahr in Porepunkah wunderbar unterstützt.
Passanten, die Haines zu Hilfe kamen, berichteten, dass sie sich trotz ihrer schweren Verletzungen bei ihnen bedankt habe. Eine Ladenbesitzerin, die wenige hundert Meter entfernt arbeitet, sagte, Haines sei bei Feiern und Beerdigungen dabei gewesen und ein durch und durch freundlicher Mensch, wie auch ihre Familie. Der Inhaber eines Barbershops neben Haines' Büro lief nach eigenen Angaben zu dem Geschehen, als er den Tumult hörte, und hielt den Verdächtigen am Boden, bis er keine Gefahr mehr darstellte. Er sehe sich nicht als Helden, sondern als jemanden, der die Gelegenheit hatte einzugreifen.
Ihr Ehemann Phil sagte, er habe Tausende Nachrichten voller Liebe und Unterstützung erhalten. Ein Anwohner aus dem nahen Albury erklärte, unabhängig davon, ob man Haines wähle, habe sie das Wohl der Gemeinschaft im Blick.
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