Korbinian Ott, kaufmännischer Geschäftsführer des Windrad-Fundamente-Herstellers Steelwind Nordenham, sagt, die Auftragsbücher seien bis Ende 2027 noch gut gefüllt. Ab 2028 entstehe jedoch eine Auftragslücke. Derzeit baue das Unternehmen noch viel für Großbritannien.
Zudem könnte der Bau bereits begonnener Windparks scheitern, etwa bei BP und TotalEnergies, die sich diese offenbar nicht mehr rechnen. 2023 hatten Ölkonzerne Flächen in der Nordsee für Rekordsummen ersteigert. Stahl und andere Rohstoffe seien teurer geworden, ebenso die Zinskosten, was die Projekte verteuere.
Die Verträge sähen nicht vor, ersteigerte Flächen geregelt zurückzugeben, erklärt Semrau. Vor Ablauf mehrerer Fristen könne der Staat zudem das Recht zum Bau nicht entziehen, auch dann nicht, wenn Projekte derzeit offenbar nicht fortgesetzt würden.
Benedikt Scheel, Vorstandsvorsitzender des BWO, fordert vom Bundeswirtschaftsministerium, das Gesetz „Windenergie auf See“ so zu überarbeiten, dass der Bau neuer Windparks wieder attraktiv werde. Investoren müssten die finanziellen Risiken wieder überschaubar machen. Dabei erhielten Windparkbetreiber für ihren Strom einen vereinbarten Mindestpreis. Werde am Strommarkt ein höherer Preis erzielt, fielen die Mehreinnahmen an den Staat. Liege der Strompreis darunter, bekämen die Betreiber einen Zuschuss.
Andere Länder in den Nachbarstaaten seien bereits weiter und attraktiver, warnt Scheel. Es gehe um Milliardeninvestitionen, für die wichtige Stellschrauben nötig seien.
Auch Tim Proll-Gerwe von Siemens Energy sieht die Gefahr. Stocke der Ausbau der Windenergie auf See jetzt, seien industrielle Strukturen und Arbeitsplätze gefährdet. Alle Beteiligten müssten mithelfen, damit sich nicht die Fehler wiederholten, die Deutschland bei der Solarindustrie gemacht habe, mahnt Proll-Gerwe.
Ott warnt ebenfalls davor, zeigt sich aber optimistisch. Noch sei Zeit zu handeln, sagt er. Das Kind sei noch nicht in den Brunnen gefallen, man müsse aber jetzt handeln.
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