König Charles III. hat den transatlantischen Sklavenhandel als monströses Unrecht bezeichnet. Das sagte er zur Eröffnung des Commonwealth-Gipfels in Antigua und Barbuda, wie Africanews berichtete. Eine Entschuldigung sprach der Monarch jedoch nicht aus. Premierminister Andy Burnham führt auf dem Gipfel Gespräche darüber, ob sich Großbritannien formell für seine Rolle in der Sklaverei entschuldigen soll.
Charles erklärte, die Sklaverei werfe noch immer einen Schatten auf diese Inseln und andere der 56 Mitgliedstaaten der Gruppe, von denen viele frühere britische Kolonien seien. Das dunkle Kapitel der Geschichte erfülle ihn mit Entsetzen und tiefem persönlichem Kummer. Zugleich lehre die Geschichte, dass das Böse nicht das letzte Wort haben müsse. Charakter und Mut könnten auch das monströseste Unrecht überwinden, wie es der Entschluss zur Beendigung des internationalen Handels mit versklavten Menschen gezeigt habe, an dem die Royal Navy eine führende Rolle gespielt habe.
Burnham nutzt seinen Auftritt beim Gipfel, um mit Staats- und Regierungschefs des Commonwealth über eine förmliche Entschuldigung zu sprechen. Nach Angaben der Downing Street ging es dabei auch um einen strukturierten Dialog für Gemeinschaften, die vom transatlantischen Sklavenhandel betroffen sind, sowie um die nächsten Schritte. Dieser Handel hatte nach Angaben des Artikels etwa 10 bis 15 Millionen Menschen über vier Jahrhunderte aus Afrika in die Amerikas gebracht.
Der Labour-Premier, der seit Juli im Amt ist, hatte am Wochenende erklärt, er sei offen dafür, um Entschuldigung zu bitten. Finanzielle Reparationen, die einige karibische Staaten fordern, schloss er jedoch aus. Wie er im Guardian schrieb, seien Reparationen nicht die richtige Antwort, denn heutige Britinnen und Briten sollten nicht für historische Verfehlungen haftbar gemacht werden, so schlimm diese auch gewesen seien.
Stattdessen verfolgt London laut Quelle einen Plan zur Schuldenneuordnung für die ärmsten Commonwealth-Staaten, der von dem früheren Labour-Premierminister Gordon Brown geleitet wird. Dabei könnten die Zinssätze für Rückzahlungen verändert werden. Außerdem stellt Großbritannien über drei Jahre 40 Millionen Pfund (54 Millionen Dollar) für Infrastrukturprojekte in der Karibik bereit, darunter für erneuerbare Energien.
Die Sklaverei hat auch die neuntägige Reise des 77-jährigen Königs in drei karibische Länder überschattet. Bei seiner Ankunft auf den Bahamas hielten kleine Protestgruppen Schilder hoch, auf denen „Zahlt, was ihr uns schuldet“ stand. Der Monarch habe dort das große Leid der Vergangenheit anerkannt.
Ein Sprecher des Palasts erklärte, es wäre nicht angemessen, dass der König eine Änderung der Regierungspolitik ankündigt. Charles gilt als politisch neutral und wird nicht erwartet, sich zu entschuldigen. Die britische Königsfamilie hat nach Angaben von Africanews vom Sklavenhandel profitiert. Großbritannien hat sich bislang weder formell für die Sklaverei entschuldigt noch Reparationen zugesagt. Das Land argumentiert, es sei bei der Abschaffung vorangegangen. Im Jahr 1833 verabschiedete das britische Parlament ein Gesetz, das die Sklaverei in den meisten Teilen des Britischen Empires abschaffte.
Dem BBC zufolge soll Großbritannien sich während seiner G20-Präsidentschaft im kommenden Jahr entschuldigen. Die konservative Oppositionsführung unter Kemi Badenoch hat dagegen erklärt, Großbritannien solle sich nicht entschuldigen, da dies Forderungen nach finanzieller Entschädigung stärken würde.
Beim vorherigen Commonwealth-Treffen 2024 in Samoa unterzeichneten 56 Staaten ein Kommuniqué, das Gespräche über Wiedergutmachung unterstützte. Zuvor hatte der damalige Premierminister Keir Starmer versucht, das Thema Sklaverei zu umgehen. Burnham hat erklärt, seine Regierung verfolge einen neuen Ansatz.
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