Der Aufsichtsrat des Autobauers Audi tritt am Freitagnachmittag außerplanmäßig zusammen. Dies geht nach Angaben von Insidern aus Medienberichten hervor.
Der Termin fällt in eine Phase scharfer Kritik an Konzernchef Gernot Döllner. Er stand bei einer Wahlkampfveranstaltung an der Seite von US-Präsident Donald Trump. Zuvor hatte Trump am Samstag bei einem Auftritt überraschend den Bau einer Audi-Fabrik angekündigt, danach dankte Döllner dem Präsidenten auf der Bühne für dessen Unterstützung.
Döllner sieht sich seither heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, gegen interne Leitlinien zu Wahlkampfauftritten verstoßen zu haben. Sogar ein Rücktritt sei bereits gefordert worden. Döllner hält seinen Auftritt dagegen für richtig, da er den Interessen des Unternehmens diene.
Ob auch Döllners eigene Position bei der Sitzung zur Debatte steht, war zunächst unklar. Eine Sprecherin des Autobauers teilte mit, zu internen Gremien äußere man sich nicht. Am Freitag legt Audi zudem die Geschäftszahlen für das dritte Quartal vor. Wegen deutlich zurückgegangener Verkäufe wird mit schwachen Ergebnissen gerechnet.
Das geplante Werk soll im US-Bundesstaat Georgia in Perry entstehen. Dort will die Volkswagen-Tochter jährlich 200.000 Sportgeländewagen produzieren. Vorgesehen sind Investitionen von vier Milliarden Dollar, umgerechnet rund 3,6 Milliarden Euro, sowie 4.500 neue Arbeitsplätze. Audi nennt 2027 als Baubeginn, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Es wäre das erste Werk des Konzerns in den Vereinigten Staaten.
Nach Informationen weiterer Insider sicherte Washington Audi im Gegenzug für das Werk in Georgia Zollerleichterungen zu. Erwartet werde ein effektiver Zollsatz von zehn Prozent. Unklar sei nach Angaben der Insider, ob dieser für alle Importfahrzeuge oder nur für Autos aus Europa gilt. Offen sei zudem, ab wann der niedrigere Satz greift.
Die US-Regierung habe jedoch auf einem zweistelligen Satz beharrt. Für Einfuhren aus Europa gilt derzeit ein Zollsatz von 15 Prozent. Eine Sprecherin von Audi lehnte eine Stellungnahme dazu ab.
Auch andere Autohersteller könnten von solchen Erleichterungen profitieren.
Laut einem Bericht des Manager Magazins stellte Döllner das Vorhaben vor seinem Auftritt bei der Wahlkampfveranstaltung dem Präsidium des VW-Aufsichtsrats vor. Nach Angaben von Beteiligten sollen sowohl der Zollsatz von 15 Prozent für Importe aus Europa als auch der Satz von 25 Prozent für in Mexiko gefertigte Fahrzeuge gesenkt werden. Konkrete Zahlen habe Döllner bei dem Treffen allerdings nicht präsentiert, berichtete das Magazin unter Berufung auf Teilnehmer.
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