Bei den bundesweiten Protesten der Initiative „Gen Z regelt“ ist es in mehreren Städten zu Ausschreitungen gekommen. WELT hat dazu die Einsatzunterlagen der Polizei für Berlin ausgewertet.
Pyrotechnik und Baustellenabsperrungen auf Einsatzkräfte der Polizei. Die Bereitschaftspolizei gehe deshalb mit unmittelbarem Zwang vor, teilte die Polizei auf ihrem WhatsApp-Channel mit. Schwarz gekleidete und teils vermummte Menschen rissen am Steindamm in der Nähe des Hauptbahnhofs rot-weiße Plastik-Baustellenabsperrungen aus ihren Verankerungen und warfen sie auf die Straße. Im Bereich der U-Bahnstation Lohmühlenstraße wurden die Teile angezündet. Die Polizei trieb die Menge auseinander, setzte teils Pfefferspray ein, und ein Wasserwerfer löschte schließlich das Feuer.
Zu der Demonstration in Hamburg kamen nach Angaben der Polizei mehrere tausend Menschen.
Auch in Köln kam es zu Zwischenfällen. Die Polizei hatte den Demonstrationszug kurzfristig abgesagt, nachdem Teilnehmer sich nicht an das Vermummungsverbot gehalten und Pyrotechnik gezündet hatten. Die Versammlung ging als Standkundgebung am Rheinufer weiter. Das Innenministerium erklärte, der Einsatz habe sich gegen gewaltbereite Demonstranten gerichtet, die die Standkundgebung hätten verlassen wollen. Laut Polizei beteiligten sich mehrere tausend Menschen, weniger als die 15.000 angemeldeten. Den Absageverlauf hatte zuvor bereits der WDR gemeldet.
Nach dem Ende der Demonstration in Leipzig kam es vereinzelt zu Sachbeschädigungen. Die Personen warfen Verkehrsschilder auf die Straße und zerstörten eine Haltestelle.
In Berlin-Mitte kam es bei einer abendlichen Demonstration nahe den Hackeschen Höfen laut Polizei zu Eier- und Flaschenwürfen. Rund 700 Menschen hatten sich am Rosenthaler Platz unter dem Titel „Gen Z hat genug!“ versammelt. Die Veranstaltung stehe im Kontext der bundesweiten Jugendproteste, sei aber nicht Teil der Demos von „Gen Z regelt“. Die Polizei ordnet den Veranstalter dem linken Spektrum zu; auch Teilnehmer der propalästinensischen Szene seien vor Ort gewesen.
In Stuttgart verlief die Jugenddemonstration nach Angaben der Polizei nicht friedlich. Während des Zugs und bei der Abschlusskundgebung wurden laut Polizei immer wieder Flaschen und Pyrotechnik auf Beamte geworfen. Der Aufzug zählte in der Spitze nach Polizeiangaben etwa 3000 Teilnehmer, die Veranstalter sprachen von rund 12000.
In Frankfurt stoppte die Polizei den Demonstrationszug zwischenzeitlich wegen Pyrotechnik. Zuletzt nannte die Polizei 8000 Teilnehmer, die Veranstalter 9000.
In Dresden erhielt „Gen Z regelt“ nach Schätzungen von dpa-Reportern etwa 3000 Teilnehmer aus unterschiedlichen Altersgruppen. Auf dem Theaterplatz hatten sich zunächst mehrere hundert Menschen versammelt. In einem zum Auftakt verlesenen Brief hieß es, die Generation sehe ihre Zukunft in Gefahr und wolle sich gegen Sozialkürzungen und die wachsende Militarisierung wehren. Laut Polizei blieb die Demonstration auch zwei Stunden nach Beginn friedlich. Ein Vertreter der Schulstreikbewegung gegen eine Wehrpflicht rief zum nächsten Streik am 20. November auf.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt sagte, das Recht auf gute Bildung und Ausbildung sei ein Schwerpunkt der Proteste, und erwartete von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU), dass sie die Initiative ergreife.
Am Brandenburger Tor hielt die Klimaaktivistin Carla Hinrichs, frühere Sprecherin der „Letzten Generation“, eine kämpferische Rede. Sie sagte, „Sie“ würden weiter die Welt anzünden und den Scheiterhaufen an Zukunft hinterlassen. Wer genau damit gemeint sei, ließ sie offen. InstaNews hatte am 31. Oktober über die Vorbereitungen von Polizei und Geschäften auf mögliche Proteste am Halloween-Wochenende berichtet.
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